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Alzheimerinfo

Die Alzheimer'sche Krankheit © MAS Alzheimerhilfe (Auer, Span, Zehetner)

Die Zahl der Menschen mit Demenz nimmt ständig zu. Weltweit sind derzeit 44 Millionen Menschen betroffen. In Österreich leben ca. 120.000 Menschen mit Demenz. 60 – 80% davon entfallen auf die Alzheimer Demenz. Experten rechnen mit einer Verdoppelung der Demenzfälle bis 2030 und einer Verdreifachung bis 2050! Dementsprechend hoch ist auch die Anzahl der indirekt Betroffenen, wie etwa der Angehörigen.

Eine Demenzerkrankung stellt sowohl die Betroffenen als auch ihre Angehörigen vor eine Reihe von Schwierigkeiten. Menschen mit Demenz werden im Verlauf der Erkrankung zunehmend hilfsbedürftig, was für Angehörige meist eine große Belastung und Herausforderung ist. Um die Betroffenen besser verstehen und begleiten zu können, ist es wichtig, selbst Unterstützung anzunehmen. Eine Methode ist die Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild, dem Krankheitsverlauf und den möglichen Symptomen.

Am Ende dieses Dokumentes haben wir noch ein paar Fragen und (FAQ's) Antworten rund um das Thema Alzheimer zusammengestellt.

 

INHALT:

01. Alzheimer = Krankheit der Angehörigen
02. Die 7 Stadien einer Demenz
03. Retrogenese
04. Diagnose und Früherkennung
05. Sie sind nicht alleine! Holen Sie sich Hilfe!
06. Lebenspraktische Sorgen
07. Wie kann ich mit herausfordernden Verhaltensweisen umgehen?
08. Wie kann ich mit herausfordernden Situationen umgehen?
09. Fünf Tipps

 


1. Alzheimer = Krankheit der Angehörigen


Alzheimer wird auch die Krankheit der Angehörigen oder der ganzen Familie genannt
Angehörige beschreiben, dass sie sich, obwohl sie mit dem/der PartnerIn zusammen sind, trotzdem einsam fühlen. Die Krankheit hat dem/der PartnerIn viele Eigenschaften geraubt, die man geliebt hat, und Schritt für Schritt verliert man auch den wichtigsten Gesprächspartner. Zusätzlich erleben Betroffene und Angehörige, dass sich wichtige Sozialkontakte zurückziehen und sie selbst nicht mehr mobil und flexibel genug sind, um das Haus zu verlassen. Zunehmende Einsamkeit ist ein Problem, mit dem Betroffene und Angehörige zu kämpfen haben. In einem fatalen Teufelskreis endet ein Paar in der sozialen Isolation und ein/e Angehörige/r läuft Gefahr, eine depressive Störung zu entwickeln. Die zunehmende Belastung durch die Betreuung birgt zusätzliche Gefahren für die körperliche und seelische Gesundheit.  

Pflegende Angehörige haben ein vielfach höheres Risiko, an einer Depression oder anderen psychischen Krankheiten zu erkranken, als andere Menschen. Im Zitat eines Mediziners auf den Punkt gebracht: „Die adrette Person mit den rosigen Wangen ist meist die Person mit Demenz, die bleiche, geplagte Person ist der überlastete pflegende Partner.“ Acht von zehn Menschen mit Demenz werden heute zu Hause von Angehörigen gepflegt. Das Verständnis für die Belastungen und die Unterstützungsbedürftigkeit Pflegender hat allmählich zugenommen. Diese Website soll auch eine Würdigung dieser Leistung sein, die pflegende Angehörige für die Gesellschaft leisten.
Um diese oft sehr herausfordernde Tätigkeit der Begleitung einer Person mit Demenz ohne gesundheitliche Folgen ausüben zu können, brauchen pflegende und betreuende Angehörige Unterstützung und Verständnis. Zeuge zu sein, wie ein anderer Mensch, ein geliebter Mensch ständig weitere Funktionen seines Mensch-Seins verliert, ist extrem schmerzlich. Angehörige brauchen dringend einen Raum, in dem sie diesen Schmerz ausdrücken können und die Trauer Platz findet.

Als Angehörige/r sollten Sie immer bedenken, dass Sie die wichtigste Bezugsperson sind, auch wenn Sie Vorwürfe erhalten. Die Vorwürfe sind in Wahrheit verzweifelte Versuche, das Unaushaltbare von sich selbst abzulenken und die Verzweiflung, die die Krankheit bewirkt, loszuwerden in der Hoffnung, Verständnis zu finden bei einem Menschen des Vertrauens. Versuchen Sie, die Vorwürfe nicht persönlich zu nehmen, und sprechen Sie zu den Gefühlen: „Ich weiß, du machst dir große Sorgen und du hast Angst. Ich teile diese Sorgen mit dir.“
Gemeinsam finden wir einen Weg!

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2. Die 7 Stadien einer Demenz


Die 7 Stadien einer Demenz
Im Verlauf einer Demenz nimmt das Ausmaß der kognitiven Beeinträchtigung und damit auch der benötigten Unterstützung im Alltag bzw. bei der Pflege zu. Daneben verändern sich auch die Symptome der Erkrankung. Entgegen vieler Annahmen sind es in der Regel die Betroffenen selbst, die erste krankheitsbedingte Veränderungen bemerken, auch lange bevor es dem Umfeld bewusst wird.
Die vom bekannten Alzheimer-Forscher Barry Reisberg beschriebenen Stadien ermöglichen ein besseres Verständnis der Krankheit. Stadium 1 beschreibt die normale Funktion der geistigen Leistungsfähigkeit. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass die meisten älteren Menschen keine Probleme mit ihrem Gedächtnis haben. Stadium 2 beschreibt subjektive Beschwerden, es besteht jedoch keine Demenz. Prophylaxe-Training beginnt in diesem Stadium. In Stadium 3 bemerkt das Umfeld erste Ausfälle. Auch depressive Symptome können hier auftreten. Der Beginn einer Demenz wird durch den Eintritt in das Stadium 4 gekennzeichnet. Die Defizite beginnen in diesem Stadium, die selbstständige Bewältigung der Alltagsfunktionen zu beeinträchtigen. Zum Beispiel kann es zu Schwierigkeiten beim Kochen, beim Umgang mit Geld oder bei der Bedienung von Elektrogeräten kommen. Ab dem Stadium 5 hat eine Person mit Demenz Probleme, den Alltag ohne direkte Hilfestellungen würdevoll zu bewältigen. Jahreszeitliche Veränderungen werden oft nicht mehr erkannt und die Körperhygiene lässt nach. Das Stadium 6 führt zu einem Verlust der Fähigkeit, grundlegende Tätigkeiten des täglichen Lebens ausführen zu können. Eine andere Person ist rund um die Uhr zur Begleitung nötig. Personen haben in diesem Stadium Probleme, sich selbstständig anzuziehen, die Körperpflege und den Toilettengang durchzuführen. Am Ende dieses Stadiums sind betroffene Personen inkontinent. Der Verlust der sprachlichen Fähigkeiten und der Beweglichkeit erfolgt im letzten Stadium der Krankheit: Stadium 7. Durch geeignete Stimulation und Training kann die Bettlägerigkeit lange Zeit verhindert und so Lebensqualität gewonnen werden. 
In der Literatur werden Zeitspannen beschrieben, wie lange eine Person im Durchschnitt ohne Behandlung in den jeweiligen Stadien verweilt. Stadium 4 wird mit durchschnittlich zwei Jahren angegeben, Stadium 5 mit 1,5 Jahren, Stadium 6 mit 2,5 Jahren, und das Stadium 7 kann bei gutem Allgemeinzustand und guter Pflege an die zehn Jahre und länger dauern. Es gibt Hinweise darauf, dass bei frühzeitigem Ansetzen der Therapien die einzelnen Stadien in ihrer Dauer verdoppelt werden können. Vor allem bei einem frühen Therapiebeginn bedeutet das, dass die frühen Phasen verlängert und die späten, pflegeintensiven Phasen verkürzt werden.

  • Stadiengerecht fördern
    Es wird zunehmend wichtiger, Personen mit Demenz in ihrer Alltagsgestaltung zu unterstützen und für (sinnvolle) Beschäftigungsmöglichkeiten zu sorgen. Fixe Termine im Wochen- und Tagesrhythmus helfen bei der Orientierung und geben Struktur. Die Angebote sollten vom Schwierigkeitsgrad her dem jeweiligen Demenzstadium angepasst werden.

Dieses Prinzip der stadiengerechten Förderung der Demenz ist in der Arbeit der MAS Alzheimerhilfe von essenzieller Bedeutung. Das Erkennen der einzelnen Stadien ist auch die Grundlage für das MAS Gedächtnistraining. Je nach Krankheitsstadium haben Menschen mit Demenz verschiedene Bedürfnisse und Fähigkeiten, und die Methoden des Trainings (und auch der Beschäftigungsangebote zu Hause) unterscheiden sich grundlegend. Ein genereller Grundsatz im Training/in der Beschäftigung ist, dass der/die Betroffene weder über- noch unterfordert werden soll. Aufgaben sollten an die kognitiven Fähigkeiten und Ressourcen angepasst sein – Erfolgserlebnisse sollten im Vordergrund des Trainings stehen. Die Personen sollten in ihrem Tun nicht bevormundet oder korrigiert werden. Die Freude an der Arbeit und das persönliche Interesse sind wichtige Bestandteile. Leistungsdruck sollte vermieden werden.

Mit fortschreitender Erkrankung, etwa ab dem 6. Stadium, sollen alle Sinne und Emotionen miteinbezogen werden. Auch Bewegung ist ein wichtiger Teil des Trainings. Forschungsergebnisse zeigen, dass sich gemäßigtes Ausdauertraining positiv auf die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit, die Gesundheit und die Lebensqualität auswirkt. Auch wenn eigenständige, aktive Bewegung nicht mehr durchführbar ist, sollte zumindest passive Bewegung in den Tagesablauf integriert werden. Das Durchbewegen der Gelenke fördert die Beweglichkeit und beugt Versteifungen und Schmerzen vor. PhysiotherapeutInnen oder anderes Fachpersonal können dabei helfen, die richtigen Übungen zu finden. Gut erhaltene Beweglichkeit hilft auch, Stürze zu vermeiden.



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3. Retrogenese


Die Theorie der Retrogenese ist ein neuer Denkansatz zur Entstehung , der medizinischen Behandlung und zur nicht-pharmakologischen Behandlung der Alzheimer’schen Krankheit. Retrogenese wird von Reisberg et al (1999) definiert als : „der Prozess, bei dem degenerative Mechanismen den Mechanismus der normalen Kindheitsentwicklung umkehren .“ Ähnlichkeiten zwischen den beiden Prozessen wurden neuropathologisch, biomolekular, neurologisch und verhaltensmäßig beschrieben. In Tabelle 4 sind die essentiellen Grundsätze der Theorie zusammengefasst. Richtig verstanden und angewandt könnten die beobachteten Parallelen hilfreich für die adäquate und menschliche Behandlung und Begleitung dementer Menschen sein. In Tabelle 5 sind die Bedürfnisse dementer Menschen, wie sie sich aus der Retrogenese Theorie ergeben, dargestellt.

Tab. 4: Grundlagen der Retrogenese- Theorie:
Merkmale der normalen Kindheitsentwicklung und der Alzheimer Krankheit (Reisberg et al. 2002 ) 

  Alter (ca.) Dauer bei der Ent-
wick-
lung
Erworbene Fähigkeiten Verlorene
Fähigkeiten
Alzheimer Stadium Dauer
bei der
Alzheimer-
krankheit
Enwtwicklungs-
alter des
Patienten
Erwach-sener 13-19 7 J Beruf ausüben Beruf ausüben 3 MCI* 7 Jahre 19-12
(Erwachsener)
Späte Kindheit 8-12 5 J Einfache Finanzaktionen Einfache Finanzaktionen 4 (leicht) 2 Jahre 12-8 Jahre
(späte Kinder)
Mittlere Kindheit 5-7 2,5 J Kleidung auswählen Kleidung auswählen 5 (mäßig) 1,5 Jahre 7-5 Jahre
(mittlere Kindheit)
Frühe Kindheit 5

4
4
3-4,5
2,3
4 J Anziehen

Waschen
Toilette
Urinkontrolle
Darmkontrolle
Anziehen

Waschen
Toilette
Urinkontrolle
Darmkontrolle
6a (mschwer)

b
c
d
e
2,5 Jahre 5-2 Jahre (frühe Kindheit)
Säugling-salter 15

1
1
6-10
2,4
1-3
1,5 J 5-6 Worte sprechen
1 Wort sprechen
Gehen
Sitzen
Lächeln
Kopf aufrecht halten
5-6 Worte sprechen
1 Wort spr.
Gehen
Sitzen
Lächeln
Kopf aufrecht halten
7a
(schwer)
b
c
d
e
f
7 Jahre 15 Monate
bis Geburt (Geburtsäug
lingsalter)
Copyright 1984, 1986, 2000 Barry Reisberg, alle Rechte vorbehalten.
*MCI – Mild cognitive Impairment (Leichte kognitive Störung) 

 

Tab. 5: Bedürfnisse dementer Personen nach der Retrogenese Theorie (Reisberg, 1998)

FAST Stadium Entwicklungsalter Benötigte Betreuung bei Alzheimerpatienten
1
Erwachsener KeineKeine
2
Erwachsener Keine
3
12+ Jahre Keine
4
8-12 Jahre Unabhängiges Überleben möglich
5
5-7 Jahre Person kann alleine ohne Unterstützung nicht überleben
6
2-5 Jahre Person braucht vollzeitige Begleitung
7
0-2 Jahre Person benötigt vollzeitige Pflege und Begleitung


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4. Diagnose und Früherkennung


Die Alzheimer’sche Krankheit ist derzeit nicht heilbar. Warum sollte man sich also um eine frühe Erkennung der Krankheit bemühen?

Eine frühe Erkennung ist wichtig:
1. Um körperliche Erkrankungen, die zu sekundär degenerativen Demenzen führen können, rasch behandeln zu können
2. Um Therapien früh anzusetzen, denn so sind sie am sinnvollsten

Durch die Entwicklung therapeutischer Methoden (pharmakologischer und nicht pharmakologischer) besteht heute kein Grund mehr für eine nihilistische Einstellung.
Je früher im Krankheitsverlauf ein breit angesetztes Behandlungskonzept beginnen kann, desto sinnvoller ist es. Dies gilt sowohl für pharmakologische Therapien als auch für nicht pharmakologische Therapien (z.B. psychosoziale Begleitungsprogramme).

Eine frühe Erkennung bedeutet eine Erkennung der Symptomatik in der Prodromalphase (FAST Stadium 3, siehe Tabelle 3) und in der Phase des Beginns einer Demenz (FAST Stadium 4, siehe Tabelle 3).
Kommt es zu einer Minderung der kognitiven Leistungsfähigkeit, so sollte auf jeden Fall die Ursache fachärztlich abgeklärt werden und nicht automatisch das Alter für die verringerte geistige Leistungsfähigkeit verantwortlich gemacht werden.

Heute werden international anerkannte Diagnosekriterien verwendet. Dadurch werden die Vergleichbarkeit und die Verlässlichkeit der Diagnosen erhöht.

In Tabelle 6 sind die wichtigsten Untersuchungsschritte zur Abklärung einer demenziellen Erkrankung aufgelistet.

Tab. 6: Notwendige Untersuchungen zur Abklärung einer Demenz

- Krankengeschichte
- Krankengeschichte von einem nahen Angehörigen
- Medikamente
- Medizinische Untersuchung
- Neurologische Untersuchung
- Psychopathologische Untersuchung
- Neuropsychologische Testung
- Laboruntersuchung
- Elektrokardiogramm
- Elektroenzephalogramm
- Bildgebende Verfahren (CT, MRT, SPECT)

Auf der Suche nach den frühesten Symptomen einer Alzheimer’schen Krankheit wurden in einer Population von 83 Patienten folgende Symptome gefunden: 47 % der Patienten zeigten Gedächtnisschwierigkeiten als erste Zeichen, 32 % hatten psychiatrische Symptome (sozialer Rückzug, Misstrauen paranoide Wahnsymptomatik, Furcht, generalisierte Angst, Ärger, Wutausbrüche, Aggression, Horten, übermäßiges Geldausgeben, Verlust des sozialen Taktes, Depression, wahnhafte Depression) 10.9% hatten neurologische Symptome (Orientierungsschwierigkeiten, Dysphasia, Dyspraxia), 9.6% hatten Schwierigkeiten im Alltag (Schwierigkeiten mit Finanzen, Berichte von Arbeitskollegen über schlechtere Leistungen, Verwirrung bei längeren Reisen; Oppenheim , 1994).

Wichtig: Nicht jedes Vergessen ist Alzheimer. Psychologische und medizinische Abklärung ist extrem wichtig! Vor allem die Frage nach den Ursachen für eine Veränderung sollte dringend an einen medizinischen Experten gerichtet werden. Manche Erkrankungen wie zum Beispiel eine Depression sind heilbar bzw. gut behandelbar.


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5. Sie sind nicht alleine! Holen Sie sich Hilfe!


Mit der Zeit entwickeln Sie ein Gespür dafür, wie Sie im Alltag richtig unterstützen können, und sehen, dass es auch hierfür ein „Handwerkszeug“ gibt. Auch mit der Krankheit können Sie schöne Stunden miteinander verbringen. Das Angebot der MAS Alzheimerhilfe für Angehörige ist reichhaltig und reicht von Angehörigentreffen, Vortragsreihen, Publikationen und den MAS Tipps über den Alzheimerurlaub bis hin zu maßgeschneiderten Entlastungsmöglichkeiten.

Angehörige von Personen mit Demenz sind oft so intensiv in die Betreuung der Betroffenen eingebunden, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse völlig übersehen. Bekommen die Angehörigen dann Entlastung und haben so endlich wieder einmal Zeit für sich, wissen sie oftmals nicht, was sie mit dieser Zeit anfangen sollen. Sie müssen erst wieder lernen, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und Interessen zu finden. Freie Zeit, mit der man nichts anzufangen weiß, kann ebenso überfordernd sein wie die Tatsache, rund um die Uhr für jemand anderen da sein zu müssen.
Um dieser Überforderung entgegenzuwirken, empfehlen wir das Führen einer Wunschliste. Auf diese Wunschliste setzen Sie alles, was Sie machen möchten, wenn Sie Zeit haben. Sobald Sie nun Zeit durch Entlastung bekommen, machen Sie sich an die Umsetzung Ihrer Wunschliste und bauen Ihre Wünsche in den Alltag ein. Sie möchten zum Beispiel schon lange ein bestimmtes Buch lesen, spazieren oder wandern gehen? Was auch immer Sie machen möchten: Je konkreter die Wünsche formuliert sind, desto leichter sind sie in die Tat umzusetzen. Gewisse Vorbereitungen können vielleicht auch schon im Vorfeld getroffen werden (etwa ein Buch oder eine DVD besorgen, eine Telefonnummer suchen). Nehmen Sie auch alte Gewohnheiten wieder auf (besuchen Sie beispielsweise Ihren Stammtisch wieder).

„Man glaubt zunächst, man schafft es alleine. Aber man reibt sich auf, wenn man keine externe, professionelle Hilfe in Anspruch nimmt“, hat uns Alfred erzählt, aber auch, dass „der Austausch mit anderen Betroffenen sowie pflegenden/begleitenden Angehörigen enorm wichtig ist. Es tut gut, in dieser Situation mit Menschen zu sprechen, die Ähnliches erleben und ihre Gedanken weitergeben möchten. Diese Personen wissen, wovon sie sprechen, weil sie ganz ähnliche Erfahrungen gemacht haben“, und wir geben dies hiermit an Sie weiter: „Sie sind nicht alleine!“


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6. Lebenspraktische Sorgen


Da ist zum Beispiel die Angst, die betroffene Person alleine zu lassen; die Sorge, was passieren könnte, wenn man selbst gerade nicht in sichtbarer Nähe ist; die Angst, nicht zu erkennen, wenn der/die Betroffene Schmerzen hat, weil er/sie sich nicht mehr entsprechend äußern kann; oder die Sorge, was mit dem/der Betroffenen passieren soll, falls mir als Angehörigem/r etwas zustößt. Diese Ängste sind sehr häufig – in einer Beratung sollten sie diskutiert und Lösungen entwickelt werden. Kontaktadressen von Organisationen, die sehr kurzfristig „Rund um die Uhr“-Pflegekräfte zur Verfügung stellen können, sollten in greifbarer Nähe sein – nur für den Notfall, aber zu Ihrer eigenen Sicherheit. Es gibt auch die Möglichkeit einer Kurzzeitpflege in einem Alten- und Pflegeheim, zu der man sich rechtzeitig anmelden muss – auch nur, um die Möglichkeit einer Pflegepause in Aussicht zu haben.

Viele Angehörige fühlen sich unsicher und stellen sich die Frage, ob sie wohl alles richtig machen. Hier können Austausch mit anderen Angehörigen und Beratung ebenfalls helfen. Die meisten Angehörigen machen instinktiv vieles richtig. Häufig sind kleine Tipps und Denkanstöße schon ausreichend, um ein besseres Gefühl zu geben und positive Veränderungen für Betroffene und Angehörige zu bewirken. Geduld ist oft ein wichtiger Schlüssel zu einem harmonischen Miteinander.



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7. Wie kann ich mit herausfordernden Verhaltensweisen umgehen?


Viele Verhaltensweisen im Krankheitsverlauf sind für Außenstehende unverständlich. Trotzdem kann man lernen, den Sinn hinter dem Verhalten zu ergründen. Dies ähnelt oft den Bemühungen eines Detektivs, ein Rätsel zu lösen. Allerdings spürt eine betroffene Person sehr genau, dass sich die Umgebung um eine Lösung bemüht, und dies bringt oft schon Beruhigung in die Situation. Je mehr man versucht, einer Person mit Demenz ein bestimmtes Verhalten „auszureden“, desto mehr ist sie gezwungen, dieses Verhalten beizubehalten. „Ich verstehe, dass du zornig bist. Deine Situation ist gerade schwierig“, signalisiert einer Person mit Demenz Verständnis und sie kann sich entspannen. Herausfordernde Verhaltensweisen können in jedem Krankheitsstadium auftreten. Ihren Höhepunkt erreichen sie im 6. Stadium der Krankheit, in dem die Person ihre Unabhängigkeit verliert. Dies ist ein sehr schwieriger Prozess für die Person und sie wehrt sich oft mit ganzer Kraft. Es ist jedoch gut zu wissen, dass die meisten herausfordernden Verhaltensweisen gut zu behandeln sind.

Jedes Krankheitsstadium geht mit bestimmten Herausforderungen und Veränderungen einher, die es zu bewältigen gilt (für Angehörige, aber vor allem auch für die Betroffenen). Bitte bedenken Sie: Die Person muss in jedem Krankheitsstadium eine neue Identität begründen. Dies ist Schwerstarbeit!



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8. Wie kann ich mit herausfordernden Situationen umgehen?


Wie kann man mit herausfordernden Situationen umgehen?

  • Der veränderte Tag-Nacht-Rhythmus
    Viele Betroffene entwickeln einen veränderten Tag-Nacht-Rhythmus. Betroffene schlafen dann tagsüber und suchen nachts Beschäftigung. Dies bedeutet eine enorme Belastung für pflegende Angehörige, die tagsüber ihren eigenen Verpflichtungen nachgehen und nachts wachgehalten werden. Eine Möglichkeit, damit umzugehen, ist der Einsatz von schlafanstoßenden Medikamenten. Eine bessere Alternative ist es jedoch meist, tagsüber für ausreichend Beschäftigung zu sorgen, den Tag zu strukturieren und Ruhephasen am Tag so kurz wie möglich zu halten. Wer tagsüber viel Programm hat, möchte nachts gerne zur Ruhe kommen.
  • „Wer bist du?“
    Je weiter die Demenzerkrankung fortschreitet, umso schwieriger wird es für eine Person mit Demenz, nahe Familienangehörige und Bekannte zu erkennen. Die Frage „Wer bist du?“ von der eigenen Frau oder Mutter zu hören, kann sehr schmerzhaft sein. Es scheint, als gingen die Betroffenen in ihrer Lebenszeit zurück. Am Anfang dieses Entwicklungsprozesses stehen die Schwierigkeiten, sich an die Namen der Enkelkinder zu erinnern, später werden manchmal die Namen der Enkelkinder oder der eigenen Kinder mit denen der eigenen Geschwistern verwechselt, bis auch der Ehemann/die Ehefrau nicht mehr erkannt wird. Am Ende der Erkrankung hat der Betroffene Schwierigkeiten, seine eigene Identität zuzuordnen.
  • Das Wollknäuel-Beispiel: Gedächtnisinhalte gehen verloren
    Die „Reihenfolge“, in der Gedächtnisinhalte vergessen werden, kann man sich vorstellen wie ein Wollknäuel, das im Laufe der Entwicklung aufgewickelt und im Laufe einer Demenzerkrankung wieder abgewickelt wird. Die Teile des Fadens, die zuletzt aufgewickelt wurden, werden als Erstes abgewickelt.

  • Geliebte Menschen aus der Vergangenheit
    Manchmal meinen Menschen mit Demenz in diesem Prozess, dass verstorbene Verwandte noch am Leben seien – diese Phänomene können im Rahmen der vermuteten Reise, die Menschen mit Demenz in ihre Vergangenheit unternehmen, verstanden werden. Häufig mischt sich in diese Lebenswelt die Sorge um oder die Sehnsucht nach einem Menschen, der schon lange tot ist. Es ist auch oft der verzweifelte Versuch, Gefühlen einen Ausdruck zu verleihen. Wichtig ist hier, auf das Gefühl zu reagieren und weniger auf die reine Wortbedeutung. 
  • Fantasien werden für real gehalten
    Auch Halluzinationen, Illusionen oder sogenannte „Fantasien“ werden mit dem Krankheitsbild der Demenz in Verbindung gebracht. Es werden Dinge gehört, gesehen oder gefühlt, die von der Umgebung nicht wahrnehmbar sind (etwa eine Türglocke). Werden derartige Phänomene beobachtet, sollte ein Spezialist zu Rate gezogen werden. Seh- oder Hörprobleme können die Entwicklung dieser Auffälligkeiten fördern, auch andere gesundheitliche Probleme könnten die Ursache sein. In der direkten Reaktion auf derartige Verhaltensweisen gilt es wieder zu beachten, welche Gefühle diese Halluzination oder Illusion bei der Person auslöst. Menschen mit Demenz können aufgrund ihrer Erkrankung und/oder aufgrund der Veränderungen der Sinnesorgane für uns alltäglich erscheinende Vorkommnisse in einer unterschiedlichen Art interpretieren und durch diese Interpretation geängstigt werden. So kann ein Baum vor dem Fenster zu einem bedrohlichen Gespenst werden und starke ängstliche Gefühle auslösen. Für die betroffene Person ist das Gespenst vor dem Fenster Realität und sie fühlt sich nicht verstanden, wenn Sie versuchen, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Versuchen Sie, beide Realitäten nebeneinander stehen zu lassen – das ist sicherlich anfangs sehr schwer. „Ich kann mir vorstellen, dass dich das Gespenst vor dem Fenster ängstigt, aber ich bin bei dir“, ist eine der möglichen Reaktionen. So fühlt sich der/die Betroffene ernst genommen und Sie müssen nicht korrigieren.

  • Vermeintlicher Diebstahl
    Auch wenn Betroffene beginnen, andere zu beschuldigen (zum Beispiel, etwas gestohlen zu haben), ist es wichtig, sich nicht auf eine Diskussion einzulassen. Bei starkem Misstrauen sollten Sie versuchen, das Gefühl der Sicherheit wiederherzustellen. Stellen Sie sich auf die Seite des/der Betroffenen und gehen Sie gemeinsam den Ängsten nach, die dieser Verlust auslöst.
  • „Bring mich nach Hause“
    Dies ist auch in Situationen wichtig, in denen Betroffene ihr eigenes Zuhause nicht erkennen und „heimgehen“ möchten, obwohl sie doch zu Hause im Wohnzimmer sind. Der Wunsch, nach Hause zu gehen, ist nicht immer mit dem physischen Ort „zu Hause“ verbunden, sondern kann auch Ausdruck eines Bedürfnisses nach Geborgenheit und Sicherheit sein. Zu Hause ist da, wo man sich wohlfühlt. Menschen mit Demenz fühlen sich durch den Verlust ihrer Fähigkeiten unsicher und sehnen sich nach den Zeiten in ihrem Leben, wo sie leistungsfähig und jung waren – in ihrem alten Zuhause. Dort, wo ich unsicher bin und mich nicht wohlfühle, dort bin ich auch nicht zu Hause. Im Umgang mit dieser Herausforderung sollte man versuchen herauszufinden, was der/die Betroffene braucht, um sich geborgen zu fühlen. Das kann eine kuschelige Decke, eine Tasse Kakao oder ein interessantes Gespräch über Erlebnisse mit einer vertrauten Person sein. Überlegen Sie, was die Person früher immer gemacht hat, um sich wohlzufühlen und zu entspannen, und sprechen Sie die Ängste und Unsicherheiten direkt an. Der Wunsch, nach Hause zu gehen, kommt auch bei Personen vor, die nach wie vor in ihrem Elternhaus leben und nie an einem anderen Ort zu Hause waren. Da alles fremd wirkt und verändert ist, fühlen sich die Menschen aber eben auch dort nicht „daheim“. Es kann helfen, sich hier gewisse Strategien zurechtzulegen, bsplw. einen kleinen Spaziergang zu machen, um dann wieder „nach Hause“ zurückzukommen. Nehmen Sie bei Ihren Spaziergängen immer ein Telefon mit für den Fall, dass Sie Hilfe benötigen. Beim Heimkommen sollte dann möglichst eine gemeinsame Aktivität wie die Zubereitung des Abendessens das Gefühl der normalen Alltagsroutine herstellen. Es ist aber auch wichtig, dass Sie als Angehörige/r Ihre eigenen Ängste und Sorgen mit der Person mit Demenz besprechen und nicht versuchen, diese „unter den Teppich zu kehren“. Nur so kann die Person Selbstvertrauen gewinnen und in ihrer emotionalen Gefühlswelt Halt finden, denn sie sieht: Auch er/sie hat Angst, nicht nur ich – wir schaffen das gemeinsam! Es kann auch sein, dass dieser Wunsch, nach Hause zu gehen, unterschiedlich ist. An Tagen, wo Betroffene viel erleben und viel beschäftigt sind, tritt der Wunsch nicht so stark auf. Das könnte an der ausreichenden Aktivierung und Beschäftigung liegen, die sie im Tageszentrum erfuhr. Denken Sie nur an sich selbst, wie Sie nach einem arbeitsreichen Tag nach Hause kommen und endlich Ruhe haben, sich hinlegen und ausrasten können und nirgendwo mehr hin müssen. Dieses Gefühl bringen auch Personen mit Demenz von einem anstrengenden Tag im Tageszentrum mit nach Hause: Endlich will niemand mehr was von mir, ich bin zu Hause und kann entspannen. 
  • Rastlosigkeit
    Die Fähigkeit zu gehen verliert eine Person mit Demenz in der Regel erst im letzten Stadium der Erkrankung. Menschen mit Demenz erleben in diesen späten Stadien oftmals eine Phase großer motorischer Unruhe, die sich durch ständiges In-Bewegung-Sein ausdrückt. Oft ist diese Phase ein Versuch, die Beweglichkeit zu erhalten und dem Verlust der Gehfähigkeit selbstständig entgegenzuwirken. Gehen und Bewegung können auch als Form der Stress- und Krankheitsbewältigung interpretiert werden oder werden zur Schmerzlinderung eingesetzt.
  • Schutzmaßnahmen
    Wenn Personen mit Demenz in ihrem Drang nach Bewegung immer wieder versuchen, das Haus zu verlassen, ist es zu ihrem eigenen Schutz oft notwendig, bestimmte Maßnahmen zu ergreifen. Oft ist es ratsam, Türen zu versperren und die Schlüssel zu verwahren (ausschließlich, wenn man gemeinsam in der Wohnung ist). Manchmal kann es auch schon helfen, wenn man den Türgriff hinter einem Vorhang verbirgt. Es gibt viele kleine Hilfen, um die Wohnung sicher zu machen: Sie können zum Beispiel Kindersicherungen oder Zeitschaltuhren am Herd einbauen, Bewegungsmelder für die Beleuchtung (gerade am Gang) installieren, Hinweisschilder anbringen, Stolperfallen entfernen oder Erhöhungen am Boden farblich markieren, um das Stolpern zu verhindern. Auch eine Funkschranke, wie Herr G. sie montiert hat, kann eine große Hilfe darstellen, indem man alarmiert wird, wenn eine sturzgefährdete Person aus dem Bett aufsteht. Trotzdem gilt es, die Beweglichkeit der Person mit Demenz so wenig wie möglich einzuschränken und andere Bewegungsmöglichkeiten und Übungen zusammen unter Anleitung eines Therapeuten in den Alltag einzubauen.

Hier kann bsplw. ein Notfallplan helfen (siehe MAS Tipps) – auch zur Wahrung der eigenen Sicherheit. Täglich vereinbarte Kontakte zur Familie stellen sicher, dass im Ernstfall schnell reagiert werden kann. Generell sollte die Familie, soweit es möglich ist, in die Versorgung mit einbezogen werden.

Generell gilt:
Konfrontieren Sie Menschen mit Demenz möglichst wenig mit ihren eigenen Defiziten, aber sprechen Sie Gefühle, die kommuniziert werden, an. Korrigieren Sie nicht, damit die Betroffenen sich nicht bloßgestellt fühlen. Verhelfen Sie Ihrem/r PartnerIn/Angehörigen dazu, immer wieder seine/ihre Kompetenz zu erleben. Anerkennen und ermutigen Sie seine/ihre Leistungen. Sie sollten dies in jedem Fall versuchen, auch wenn ihr/sein Verhalten Sie herausfordert. Wir wissen, dies ist oft kein leichtes Unterfangen. Wir sind gerne für Sie da und beraten Sie in jeder Situation.

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9. Fünf Tipps


Zusammenfassend geben wir Ihnen fünf wichtige Tipps mit auf den Weg:

  • Erwerben Sie Wissen über Demenz und den Umgang mit dem Betroffenen.
  • Holen Sie sich rechtzeitig professionelle Hilfe und Unterstützung.
  • Wahren Sie die persönliche Würde Ihres/r betroffenen Partners/-in/Angehörigen.
  • Versuchen Sie, die persönliche Eigenständigkeit des/der Betroffenen so weit wie möglich aufrechtzuerhalten.
  • Achten Sie auf sich selbst und erhalten Sie Ihre persönlichen Interessen!

Die MAS Alzheimerhilfe steht Ihnen in allen Fragen rund um Demenz beratend zur Verfügung.
Haben Sie Mut! Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.



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FAQ's

Einleitung
Der deutsche Neuropathologe und Psychiater Alois Alzheimer beschrieb 1906 erstmals die Symptome der Erkrankung. Der Mediziner machte mikroskopische Veränderungen im Gehirn als Ursache für das Krankheitsbild aus. Morbus Alzheimer zeichnet sich für mehr als die Hälfte aller Demenzen verantwortlich. Damit ist es die häufigste Form einer Hirnleistungsschwäche im Alter.
Schätzungen zufolge sind etwa fünf Prozent der über 65-Jährigen und 20 Prozent der über 80-Jährigen davon betroffen. Etwa 130.000 Österreicher leiden an der Alzheimer-Demenz, bis zum Jahr 2050 wird sich diese Zahl nach Meinung von Experten verdreifacht haben. Selten beginnt die Krankheit vor dem 65. Lebensjahr. Tritt die Erkrankung vor diesem Zeitpunkt auf, spricht man von präseniler Demenz vom Alzheimer-Typ.

 

  1. Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?

  2. Wie früh können Menschen an Demenz oder Alzheimer erkranken?

  3. Wie viele Menschen sind von Alzheimer betroffen?

  4. Wer erkrankt?

  5. Sind Frauen häufiger betroffen als Männer?

  6. Wie fühlt es sich an, an „Alzheimer“ zu leiden?

  7. Wie diagnostiziert man Alzheimer?

  8. Die Alzheimer’sche Krankheit ist derzeit nicht heilbar. Warum sollte man sich also um eine frühe Erkennung der Krankheit bemühen?

  9. Welche Risikofaktoren kennt man?

  10. Kann man sich, ohne Symptome zu haben, auf Alzheimer testen lassen?

  11. In letzter Zeit wurde mein Vater zunehmend vergesslich. Nach langem hin und her waren wir schließlich beim Arzt, der die Diagnose „beginnende Demenz vom Alzheimertyp“ gestellt hat. Nun weiß ich aber nicht, ob und wie ich meinen Vater über seine Diagnose informieren soll?

  12. In meiner Familie leiden einige Ältere unter Demenz und Alzheimer. Wo kann ich untersuchen lassen, ob ich eine Veranlagung dazu habe und kann man da vorbeugen?

  13. Stimmt es, dass ich als Diabetiker eher gefährdet bin, später auch an einer Demenz zu erkranken?

  14. Es heißt, Bildung und geistige Aktivität schützen am ehesten vor Demenz und Alzheimer. Was empfehlen die Experten? Mit 50 oder 60 Jahren noch einen Volkshochschulkurs besuchen?"

  15. Was ist die Basale Stimulation bei Personen mit Demenz?

  16. Ist die Alzheimerdemenz mit Ernährung zu beeinflussen? Auf welche Lebensmittel sollte ich besonders achten?

  17. Meine Mutter hat Alzheimer und lebt mittlerweile in einem Pflegeheim. Da meine Mutter mich nicht mehr erkennt und sie auch nicht mehr sprechen kann, ist meine Frage: merkt sie noch, was mit ihr passiert? Spürt sie Hunger, Durst oder Trauer? Bekommt sie noch irgendetwas mit?

  18. Welche Art von Gedächtnistraining ist geeignet, damit ich einer Demenz so gut wie möglich vorbeuge?

  19. Ist die medikamentöse Therapie bei Alzheimer-Patienten ausreichend oder ist eine nicht-medikamentöse Therapie zu empfehlen? Falls ja, wie sollte diese aussehen?

  20. Haben Sie Hoffnung, dass es ein Mittel gegen Alzheimer in absehbarer Zukunft gibt?

  21. Wie wird Alzheimer-Demenz diagnostiziert?

  22. Was zeigen psychologische Tests?

  23. Wie soll man mit rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten umgehen?

 

 

 

 

1. Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?"

Der Begriff „Demenz“ ist ein Überbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen mit den unterschiedlichsten Ursachen, bei denen es zu Veränderungen der Gehirnleistung kommt. Untersuchungen zeigen, dass die Alzheimer Demenz die häufigste Form (60 bis 80% der Betroffenen) einer Demenz ist. Die Ursachen vieler Demenzen sind bekannt und manche sind sogar behandelbar. Die Ursachen der Alzheimer Demenz dagegen sind weitgehend unbekannt. Dank intensiver Forschungstätigkeit stehen heute aber auch für die Alzheimer Demenz Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Hier stehen sowohl medikamentöse Therapien wie auch nicht medikamentöse, psychosoziale Therapieformen zur Verfügung. Die Alzheimer Demenz verläuft in gut beschriebenen Stadien und die Krankheit kann bis zu 15 Jahre dauern. Die biologischen Folgen der Krankheit sind Eiweiß-Spaltprodukte, die sich im Gehirn ablagern und zu einem Untergang der Nervenzellen führen. Dieser Prozess mündet in einem Verlust der geistigen Fähigkeiten und in einer eingeschränkten Selbständigkeit. Nachdem es sich bei Demenz nicht um ein einheitliches Krankheitsbild handelt und viele Ursachen für die Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit verantwortlich sein können, ist eine medizinische Untersuchung zu einem möglichst frühen Zeitpunkt von größter Wichtigkeit. Eine Untersuchung zur Differenzierung des Krankheitsbildes sollte von einem Facharzt für Neurologie und/oder Psychiatrie durchgeführt werden.

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2. Wie früh können Menschen an Demenz oder Alzheimer erkranken?

Alzheimer Demenz ist eine Form einer primär bedingten neurodegenerativen Erkrankung. Aus diesem Grund steigt das Risiko an einer Demenz zu erkranken mit höherem Alter. Trotzdem können auch Menschen in einem relativ frühen Lebensalter an einer Demenz erkranken. Alle Probleme mit einer Abnahme der Gedächtnisleistung oder die Abnahme der Fähigkeit, den Alltag selbstständig zu bewältigen sollte von einem Experten begutachtet werden.




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3. Wie viele Menschen sind von Alzheimer betroffen?

In Österreich gibt es derzeit 130.000 Menschen, die von Demenz betroffen sind. Der jüngste Weltalzheimerbericht spricht von einer Verdoppelung bis 2050. Zwei Drittel der Menschen mit Demenz leiden an Alzheimer. Pro Jahr werden tausende neue Alzheimerdiagnosen gestellt. Weltweit sind derzeit 35 Millionen Menschen betroffen, im Jahr 2050 werden es Schätzungen zufolge 115 Millionen sein.


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4. Wer erkrankt?

Die Demenz vom Alzheimer Typ (DAT) ist eine typische Alterserkrankung. Vor dem 60. Lebensjahr ist sie eher selten. Danach steigt die Häufigkeit exponentiell an. Wenigstens 20% der 80jährigen Menschen sind betroffen. Da die Altersgruppen der über 65jährigen in allen Ländern mit westlichem Lebensstandard weit überproportional anwächst, wächst auch der Anteil der DAT-Kranken entsprechend rasant. Die gute Nachricht ist aber, dass zwei Drittel der 85-Jährigen damit geistig fit sind.


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5. Sind Frauen häufiger betroffen als Männer?

Ja, aber das liegt nicht daran, dass sie anfälliger für die Krankheit sind. Sie werden nur im Durchschnitt älter als Männer. Und der größte Risikofaktor ist nun einmal das Alter.


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6. Wie fühlt es sich an, an „Alzheimer“ zu leiden?

Menschen mit beginnender Demenz verwenden oft Beschreibungen wie: "es ist als ob ich ein Brett vor dem Kopf hätte" oder "in meinem Kopf kommt alles durcheinander". Sie merken also selbst, dass etwas nicht stimmt, was mit einer Reihe von Gefühlen verbunden sein kann: Ärger darüber, dass man Termine, kürzlich Erlebtes oder Wörter vergisst; Verzweiflung an einer unheilbaren und fortschreitenden Erkrankung zu leiden; Angst vor drohender Abhängigkeit und Hilfsbedürftigkeit; Scham, wenn jemand persönliche Abwertung mit der Erkrankung verbindet und manchmal auch Erstaunen oder Misstrauen gegenüber den Mitmenschen, wenn diese behaupten, man hätte etwas schon dreimal erzählt oder wenn sich Gegenstände und Wertsachen nicht mehr auffinden lassen.

Ein Mensch mit Demenz erlebt viel Unsicherheit, weil er sich selbst stark verändert. Der Verlust von Kompetenzen kann Trauer und Wut auslösen. In den mittleren Stadien einer Demenz nehmen zwar die kognitiven Fähigkeiten ab, das emotionale Erleben bleibt jedoch erhalten. Beispiele dafür sind das Bedürfnis nach Zuwendung und Zugehörigkeit und das Bedürfnis, etwas zum Zusammenleben beizutragen, das heißt, etwas zu leisten und dafür Anerkennung zu bekommen. Die Fähigkeit, aktiv etwas für die eigene Zufriedenheit zu tun, geht zunehmend verloren. Aggressionen und Frust können auftreten, aber auch Dankbarkeit und große Anhänglichkeit den Bezugspersonen gegenüber.
Wie es sich anfühlt, im späten Stadium einer Demenz zu sein, versuchen wir zu erforschen, denn die Betroffenen können sich nicht mehr verbal äußern. Trotzdem kann man vielfältige positive Reaktionen auf liebevolle Worte, Musik oder Berührung beobachten.


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7. Wie diagnostiziert man Alzheimer?

Die Diagnose setzt sich aus vielen Bausteinen zusammen: der neuropsychologischen Testung, der Einstufung der alltagspraktischen Fähigkeiten, einer Aufnahme in der "Röhre", also im Magnetresonanztomografen oder im Computertomographen vom Gehirn, auf der man Veränderungen des Gewebes oder der Durchblutung erkennen kann. Und dann sollten auch die allgemeinen Blutwerte gemessen werden, ob die Demenzanzeichen nicht auch eine andere Ursache haben können.


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8. Die Alzheimer’sche Krankheit ist derzeit nicht heilbar. Warum sollte man sich also um eine frühe Erkennung der Krankheit bemühen?

Eine frühe Erkennung ist wichtig:
1. Um körperliche Erkrankungen, die zu sekundär degenerativen Demenzen führen können, rasch behandeln zu können
2. Um Therapien früh anzusetzen, denn so sind sie am sinnvollsten
Durch die Entwicklung therapeutischer Methoden (pharmakologischer und nicht pharmakologischer) besteht heute kein Grund mehr für eine nihilistische Einstellung.
Je früher im Krankheitsverlauf ein breit angesetztes Behandlungskonzept beginnen kann, desto sinnvoller ist es. Dies gilt sowohl für pharmakologische Therapien als auch für nicht pharmakologische Therapien (z.B. psychosoziale Begleitungsprogramme). Eine frühe Erkennung bedeutet eine Erkennung der Symptomatik in der Prodromalphase (FAST Stadium 3, siehe Tabelle 3) und in der Phase des Beginns einer Demenz (FAST Stadium 4, siehe Tabelle 3). Kommt es zu einer Minderung der kognitiven Leistungsfähigkeit, so sollte auf jeden Fall die Ursache fachärztlich abgeklärt werden und nicht automatisch das Alter für die verringerte geistige Leistungsfähigkeit verantwortlich gemacht werden.
Heute werden international anerkannte Diagnosekriterien verwendet. Dadurch werden die Vergleichbarkeit und die Verlässlichkeit der Diagnosen erhöht.


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9. Welche Risikofaktoren kennt man?

Ein ungesunder Lebensstil scheint Demenzen zu fördern. Also beispielsweise Übergewicht, ein zu hoher Blutzuckerspiegel oder Bewegungsmangel. Man kann sich allerdings nicht speziell vor Alzheimer schützen. Ein gesunder Lebensstil aber schützt alle Organe des Körpers und eben auch das Gehirn vor vorzeitigem Altern. Das Risiko an Alzheimer zu erkranken steigt drastisch mit dem Altern - und das können wir nun mal nicht verhindern. Was neben einer gesunden Lebensweise schützt, sind offenbar Bildung und gute soziale Kontakte.

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10. Kann man sich, ohne Symptome zu haben, auf Alzheimer testen lassen?

Ja, das ist möglich. Die MAS Alzheimerhilfe bietet kostenlos eine erste Testung an.

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11. In letzter Zeit wurde mein Vater zunehmend vergesslich. Nach langem hin und her waren wir schließlich beim Arzt, der die Diagnose „beginnende Demenz vom Alzheimertyp“ gestellt hat. Nun weiß ich aber nicht, ob und wie ich meinen Vater über seine Diagnose informieren soll?

Grundsätzlich hat jeder Mensch das Recht über seine Diagnose informiert zu werden, egal ob es sich dabei um eine Demenz oder eine andere Erkrankung handelt. Allerdings reagieren Menschen hier sehr unterschiedlich. Manche möchten die Diagnose sofort wissen und manche brauchen Zeit, um sich mit der schmerzlichen Tatsache zu konfrontieren. In der Regel wissen Personen mit Demenz aber bereits intuitiv, dass mit ihrem Gedächtnis etwas nicht in Ordnung ist und sind verunsichert. Diese Verunsicherung kann durch einen offenen, sensiblen Umgang mit der Diagnose beseitigt werden. Ältere Personen haben oft Angst, ihren Platz in der Gesellschaft, ihre Vollwertigkeit zu verlieren. In dem sie ihren Vater weiterhin wie einen mündigen, wertvollen Menschen behandeln, unterstützen sie auch seine Fähigkeit zu verstehen, was mit ihm geschieht. Er kann sich selbst Gedanken über seine Zukunft machen und Behandlungsmaßnahmen zulassen. Jemandem die Wahrheit vorzuenthalten kann oft schlimmer sein, als die Wahrheit selbst. Die Entscheidung, ob sie ihren Vater aufklären oder nicht kann ihnen jedoch niemand abnehmen. Wenn sie sich dafür entscheiden, sollten sie dabei möglichst offen und schonungsvoll vorgehen. Seien sie behutsam und sensibel. Geben sie ihm die nötige Sicherheit, um mit der Diagnose fertig zu werden, sie zu akzeptieren und eine entsprechende Trauerreaktion einzuleiten. Verwenden sie eine Sprache, die ihr Vater versteht und gehen sie nur soweit, soweit auch er bereit ist, zu gehen. Bestätigen sie ihrem Vater, dass sie für ihn da sind. Wenden Sie sich an ihren behandelnden Arzt und an eine Selbsthilfegruppe.

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12. In meiner Familie leiden einige Ältere unter Demenz und Alzheimer. Wo kann ich untersuchen lassen, ob ich eine Veranlagung dazu habe und kann man da vorbeugen?

Genetische Faktoren sind verantwortlich für gehäuftes Auftreten der Alzheimer Krankheit in Familien. Studien zeigen, dass vor allem ein früher Krankheitsbeginn (d.h. vor dem 60.Lebensjahr) mit einem höheren Risiko für die Verwandten verbunden ist. Ungefähr bei 90% aller Erkrankten wirken jedoch viele Faktoren (Vorerkrankungen und Alterung des Gehirns, Umwelteinflüsse, Lebensführung, schwere körperliche Erkrankungen) ursächlich zusammen. Da die Forschungstätigkeit noch nicht abgeschlossen ist und es keine Behandlungsmöglichkeiten gibt, werfen Tests zur Untersuchung der genetischen Veranlagung ethische Probleme auf. Es gibt jedoch humangenetische Institute, die Tests und Beratung zu diesem Thema anbieten. Nachdem auch andere Risikofaktoren wie die Lebensführung an der Entwicklung einer Demenz innerhalb der Lebensspanne eines Individuums beteiligt sind, ist nach derzeitigem Wissensstand vor allem darauf zu achten. Das heißt, durch einen gesunden und aktiven Lebensstil kann das Risiko an einer Demenz zu erkranken positiv beeinflusst werden. Damit haben alle die Möglichkeit, die geistige Gesundheit durch einen gesunden Lebensstil zu schützen. Länger geistig fit zu bleiben hängt auch mit körperlicher Fitness zusammen, also gemäßigtes Ausdauertraining kombiniert mit aktiver geistiger Auseinandersetzung kann vor geistigem Abbau im Alter schützen. Gesunde Ernährung und regelmäßige Kontrolle der Blutdruckwerte und des Cholesterinspiegels wird von Medizinern empfohlen.

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13. Stimmt es, dass ich als Diabetiker eher gefährdet bin, später auch an einer Demenz zu erkranken?

Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung, die eine kontinuierliche professionelle Behandlung erfordert. Studien zeigen, dass die Gefahr für eine gefäßbedingte Demenz bei Typ 2 Diabetikern ungefähr 4mal so hoch ist, eine Alzheimer Demenz etwa 1.5 mal so häufig vorkommt wie bei Personen ohne diese Stoffwechselkrankheit. Dies stellt klar, wie wichtig der Insulinstoffwechsel für die Hirnfunktion ist. Die Wechselwirkung zwischen den beiden Krankheitsbildern scheint jene zu sein, dass eine Stoffwechselstörung zu einer Schädigung der Hirngefäße führt. Dieser Prozess wiederum kann eine Degeneration der Hirnstrukturen fördern. Die genauen Mechanismen sind jedoch noch weitgehend unbekannt. Für Sie als Diabetiker ist es besonders wichtig, auf regelmäßige und richtige Ernährung, sowie auf ausreichend Bewegung zu achten. Besonders wichtig sind die regelmäßigen Kontrollen bei ihrem Arzt, damit die Medikamente individuell auf ihre Bedürfnisse eingestellt werden können und ihr Blutzuckerspiegel stabil bleibt. Auch als Diabetiker gilt, dass Sie mit einer gesunden Lebensweise ihr Erkrankungsrisiko für eine Demenz verringern können.

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14. Es heißt, Bildung und geistige Aktivität schützen am ehesten vor Demenz und Alzheimer. Was empfehlen die Experten? Mit 50 oder 60 Jahren noch einen Volkshochschulkurs besuchen?"

Studien haben gezeigt, dass niedrige Bildung und geistig nur geringfügig fordernde Aktivitäten durch die gesamte Lebensspanne ein Risiko zur Entwicklung frühzeitigen geistigen Abbaus darstellt und die Entwicklung einer demenziellen Erkrankung begünstigen kann. Das deutet darauf hin, dass die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns wesentlich davon abhängt, wie stark wir in jeder Lebensphase gefordert werden. Es wird vermutet, dass die Neurogenese (die Bildung neuer Nervenzellen) auch beim Menschen von der geistigen aber auch von der körperlichen Aktivität abhängig ist. Wichtig scheint dabei zu sein, dass neue Lerninhalte das Gehirn fordern und neue Bewegungsmuster gelernt werden. Ein abwechslungsreicher und fordernder, aber ausgeglichener und gesunder Lebensstil wird als Modell für die Entwicklung einer hohen kognitiven Reservekapazität (höhere Dichte an Nervenzellen) gesehen, die sich dann im Alter bezahlt machen soll. Einseitige Sichtweisen scheinen jedoch zum momentanen Zeitpunkt und nach dem Stand der Forschung nicht zulässig. So gibt es auch Hinweise, dass neben der geistigen und körperlichen Aktivität auch gefäßbedingte Faktoren (Bluthochdruck, Herzkrankheiten) und die Ernährung sowie Übergewicht und Diabetes eine bedeutende Rolle für die Hirngesundheit spielen.
Also ja, Neues lernen, neugierig bleiben zahlt sich in jedem Alter aus- vor allem wenn dies mit anderen Menschen zusammen geschieht, so beugt man gleichzeitig der sozialen Isolation vor und bereichert dadurch sein Leben. Geistige Aktivität sollte im Idealfall zusätzlich in einem gesunden, ausgewogenen Lebensstil eingebettet sein- es liegt also in unserer Hand, wie wir älter werden!

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15. Was ist die Basale Stimulation bei Personen mit Demenz?

Unter Basaler Stimulation versteht man ein Konzept zur Förderung von Menschen mit einer Demenz in den schweren Stadien der Erkrankung. Die Basale Stimulation basiert auf der Überlegung, dass Berührungen ein unverzichtbarer Teil des menschlichen Lebens sind. Durch gezielt eingesetzte Berührungen sowie durch die Stimulation der menschlichen Sinne kann erreicht werden, dass Personen besser kontaktfähig bleiben und sich besser spüren können. Gerade für Personen mit einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung, die mit Worten kaum oder gar nicht mehr mit der Umwelt kommunizieren können, ist die Basale Stimulation eine gute Möglichkeit um in Kontakt zu bleiben. Die Methode der basalen Stimulation berücksichtigt jene Fähigkeiten zur Wahrnehmung, die bei einer er Person mit Demenz erhalten sind und darauf aufbauend erfolgt die Aktivierung. Die Basale Stimulation arbeitet z.B. mit angenehmen Düften um den Geruchssinn zu stimulieren, achtet bei der Körperpflege auf behutsame Berührungen (Waschen, Abtrocknen, etc.) oder setzt zur Anregung des Hörsinnes die Lieblingsmusik der jeweiligen Person ein.

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16. Ist die Alzheimerdemenz mit Ernährung zu beeinflussen? Auf welche Lebensmittel sollte ich besonders achten?

Der Frage ob ein aktiver Lebensstil die Entwicklung einer demenziellen Erkrankung verhindert bzw. ob dadurch das Voranschreiten der Erkrankung verlangsamt werden kann wird in wissenschaftlichen Untersuchungen nachgegangen. Dazu gehört auch die Untersuchung des Einflusses der Ernährung auf die Gesundheit des Gehirns. Eine spezielle Anti-Alzheimerdiät kann derzeit nicht empfohlen werden. Untersuchungen geben jedoch Hinweise, dass sich eine moderne Form mediterraner Ernährung gut auf die Gehirnfunktionen auswirken könnte. Diese Ernährungsform besteht vorwiegend aus Olivenöl (statt anderer Öle und Fette), viel frischem Obst und Gemüse, Vollkornprodukten (statt ausgemahlenem Mehl), Fisch und einem geringeren Anteil an Milchprodukten in Form von Käse und Joghurt. In sehr geringen Mengen sollten Fleisch und Fleischprodukte gegessen werden. Aufgrund ihrer besonderen Inhaltsstoffe gelten fettarme Meeresfische sogar als besonders empfehlenswert. Auch Gewürze wie Kurkuma, Heidelbeeren und grüner Tee sind immer wieder Gegenstand von Untersuchungen. Allerdings sind die Ergebnisse der Studien nicht einheitlich und vielfältige Faktoren im Laufe eines Lebens beeinflussen die Hirnfunktion in einem späteren Lebensabschnitt. Aus diesem Grund werden vielfältige Interventionen wahrscheinlich mehr Erfolg versprechen wie etwa die Kombination gesunder Ernährung und Bewegung. Eine Veränderung in Richtung eines gesunden Lebensstils kann in jeder Lebensphase die Lebensqualität verbessern und sich positiv auf die Leistungsfähigkeit auswirken. Zu einem gesunden Lebensstil gehört auch Genuss in Maßen, Sozialkontakte und die Bereitschaft, neue Dinge zu lernen und zu erleben.

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17. Meine Mutter hat Alzheimer und lebt mittlerweile in einem Pflegeheim. Da meine Mutter mich nicht mehr erkennt und sie auch nicht mehr sprechen kann, ist meine Frage: merkt sie noch, was mit ihr passiert? Spürt sie Hunger, Durst oder Trauer? Bekommt sie noch irgendetwas mit?

Es ist sicherlich sehr schmerzhaft für sie, wenn ihre Mutter sie nicht mehr erkennt. In solchen Situationen ist man verunsichert, ob ein Mensch, der verlernt hat zu sprechen, Vorgänge in seinem Körper und in seiner Umgebung trotzdem wahrnehmen und interpretieren kann. Wir neigen oft dazu zu glauben, dass Personen mit Demenz in fortgeschrittenen Stadien, nichts mehr von ihrer Außen- und Innenwelt wahrnehmen. Zwar gehen durch die Erkrankung viele Fähigkeiten verloren, doch der emotionale Ausdruck und die emotionalen Bedürfnisse bleiben auch in den späten Demenzstadien erhalten. Personen mit Demenz spüren, ob sie von ihrer Umgebung angenommen werden. Sie reagieren auf das, was mit ihnen geschieht und spüren die Veränderungen die mit ihnen passieren.
Personen in fortgeschritten Demenzstadien spüren körperliche und soziale Missempfindungen und reagieren darauf oft mit non-verbalen Kommunikationsmitteln. Lernen sie die non-verbalen Signale ihrer Mutter zu deuten. Ob eine Person mit schwerer Demenz Gefühle so interpretiert, wie wir es im Laufe unseres Lebens gelernt haben, wissen wir nicht. Was wir beobachten können ist, dass Personen mit schwerer Demenz in einem guten emotionalen Klima erstaunliche Reaktionen zeigen können. In diesem Klima können Personen mit schwerer Demenz Genuss beim Essen und Trinken zeigen und auch wichtige Gefühle wie Trauer ausleben. Ihre Mutter braucht ihre Unterstützung auch in dieser letzten Phase ihrer Krankheit.


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18. Welche Art von Gedächtnistraining ist geeignet, damit ich einer Demenz so gut wie möglich vorbeuge?

Geistige, körperliche und soziale Aktivitäten können verhindern, dass erworbene Fähigkeiten früher als nötig verloren gehen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass es eine ganze Reihe von Möglichkeiten gibt, um unser Gehirn vor einer möglichen Demenzerkrankung zu schützen, oder den Beginn einer Erkrankung zu verzögern. An dem Spruch: „Wer rastet, der rostet“, scheint etwas Wahres dran zu sein. Forschungen zeigen, dass vorbeugendes Training möglichst komplex und vielfältig sein sollte. Um Funktionen im Alltag so lange wie möglich zu erhalten, sollten Trainingsmethoden auch alltagspraktische Relevanz haben. Versuchen sie beispielsweise ohne Einkaufszettel einkaufen zu gehen oder sich wichtige Telefonnummern zu merken, und sich nicht immer auf die elektronischen Speichermethoden zu verlassen.
Die soziale Komponente scheint im Rahmen eines vorbeugenden Trainings sehr wichtig zu sein, also gemeinsames Training mit anderen, gleichgesinnten Menschen in der Gruppe macht nicht nur mehr Freude sondern scheint auch effektiver. Freude und Spaß am Training sind entscheidende Qualitätskriterien einer Trainingsmethode. Denn nur mit positiven Emotionen lernen Menschen gerne und bleiben auch länger dabei. Wichtig ist nicht nur bereits Erlerntes zu erhalten, sondern auch Neues zu lernen. Die Entwicklung neuer Hobbies, das Erlernen neuer Fertigkeiten könnte sich ebenfalls positiv auswirken und bereichert zusätzlich ihr Leben


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19. Ist die medikamentöse Therapie bei Alzheimer-Patienten ausreichend oder ist eine nicht-medikamentöse Therapie zu empfehlen? Falls ja, wie sollte diese aussehen?

Die medikamentöse Therapie der Hauptsymptome einer Demenz ist heute Standard. Betroffene sollten so früh wie möglich im Krankheitsverlauf die Chance einer Behandlung erhalten, damit Gedächtnisfunktionen so lange wie möglich intakt bleiben. Voraussetzung für eine Behandlung ist eine gründliche medizinische Abklärung der Ursachen der Gedächtnisprobleme, damit körperliche Erkrankungen, die behandelbar sind, erkannt werden können. Neben der medizinischen Begleitung, brauchen Betroffene und pflegende Angehörige während des Krankheitsverlaufes jedoch auch psychosoziale Unterstützung. Maßnahmen zur psychosozialen Begleitung betroffener Familien werden unter dem Begriff nicht-medikamentöse Therapie zusammengefasst. Die Symptome der Krankheit in den einzelnen Stadien unterscheiden sich grundlegend. Darauf ist keine Familie und kein Betroffener vorbereitet. Für betroffene Personen und auch für die Familie gibt es im Zusammenhang mit der Krankheit vieles zu lernen. Das Wissen um die Symptome der Krankheit nimmt in der Regel viel von der Bedrohlichkeit der zukünftigen Ereignisse und die Betroffenen und ihre Familienmitglieder erlernen das Gefühl, dass sie nicht hilflos der Symptomatik ausgeliefert sind und die Zeit aktiv gestalten können. Angehörige sollen früh im Verlauf der Krankheit lernen, wie sie mit den Symptomen umgehen und sie müssen auch lernen, auf sich selbst zu achten und Entlastung zu akzeptieren. Betroffene Personen können durch Training der Funktionen erfahren, dass sie Dinge tun können und auch Neues lernen können. Durch das Training kann einem Verlust des Selbstwertes entgegengewirkt werden. Das Training in Stadien gerecht geführten Gruppen hat sich in den letzten Jahren sehr bewährt. Die Grundlage einer optimalen professionellen Begleitung von Menschen mit Demenz und deren Familien besteht meiner Ansicht nach aus einer Kombination von medikamentöser und nicht-medikamentöser Therapie.

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20. Haben Sie Hoffnung, dass es ein Mittel gegen Alzheimer in absehbarer Zukunft gibt?

Ja! Denn die acht wichtigsten Industrienationen der Welt haben sich bei einem Treffen in London (September 2013) zu erheblichen Anstrengungen im Kampf gegen die Volkskrankheit Demenz verpflichtet. Nach einem von Großbritannien initiierten Gipfeltreffen hieß es in der Abschlusserklärung der G8-Gesundheitsminister, man verpflichte sich dem Ziel, bis 2025 ein wirksames Medikament zur Heilung von Demenz oder zur wirksamen Verbesserung der Symptome zu entwickeln. Gleichzeitig wolle man die Forschungsausgaben steigern.

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21. Wie wird Alzheimer-Demenz diagnostiziert?

Die Diagnose Alzheimer-Demenz wird mit etwa 95-prozentiger Sicherheit gestellt. Es gibt zurzeit noch keine ausreichend spezifischen Tests. Völlige Gewissheit bietet nur die mikroskopische Untersuchung des Gehirngewebes, die jedoch wegen der Operationsrisiken zu Lebzeiten nicht durchgeführt wird. Um zur Diagnose zu kommen, ist für den Arzt die Unterhaltung mit dem Patienten und dessen Angehörigen oft aussagekräftiger als bestimmte Untersuchungen und Tests. Die typischen Beschwerden und der Zeitpunkt ihres Auftretens liefern dabei entscheidende Informationen. Um andere Krankheiten auszuschließen, führt der Arzt eine gründliche körperliche Untersuchung durch und lässt ein komplettes Blutbild (inkl. Schilddrüsenwerte, Vitamin B12, Folsäure) sowie einen Harnbefund erstellen.
Des Weiteren können sich eine Computertomographie (CT) und eventuell andere bildgebende Verfahren zur Darstellung des Gehirns (MRT, SPECT, PET) als sinnvoll erweisen. Eine Untersuchung der Gehirnflüssigkeit (Liquor), die durch einen kleinen Stich am Rückenmarkskanal (Liquorpunktion) gewonnen wird, gibt ebenfalls Hinweise.

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22. Was zeigen psychologische Tests?

Es gibt mehrere psychologische Tests, die die Beschwerden objektivieren und eine Einschätzung des möglichen Verlaufs zulassen. Um den Grad an geistigem Verfall zu messen, wird üblicherweise die Mini-Mental State Examination (MMSE) durchgeführt. Dieser standardisierte Test umfasst 30 Aufgaben, die Orientierung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Rechenfertigkeit, Erinnerungsfähigkeit und Sprache betreffen. Er ergibt einen Wert, der international anerkannt und in weiterer Folge zur Wahl der medikamentösen Therapie eingesetzt wird. Ein Schwachpunkt des Tests ist allerdings, dass Menschen mit höherem Bildungsniveau darin besser abschneiden, als es ihrem Krankheitsstatus entsprechen würde.
Uhrentest
Ein einfacher Test ist beispielsweise der Uhrentest: Man lässt den Betroffenen eine Uhr aufzeichnen, die Ziffern und eine vorgegebene Uhrzeit eintragen. Das Zeitverständnis wird beim Kind erst relativ spät entwickelt und geht daher bei einer Demenz früh verloren; denn erworbene Fähigkeiten werden in umgekehrter Reihenfolge wieder verlernt. Zur weiteren Abklärung können auch andere psychologische Tests und Befragungen durchgeführt werden.

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23. Wie soll man mit rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten umgehen?

So schwer es fällt, aber es ist leider notwendig, rechtliche und finanzielle Vorkehrungen zu treffen, solange der Patient noch dazu in der Lage ist. Mit fortschreitender Krankheit wird er wahrscheinlich nicht mehr fähig sein, seine Angelegenheiten zu regeln. Auch die Frage der zukünftigen Betreuung und Pflege sollte so rasch wie möglich entschieden werden, um Ihrem Angehörigen und Ihnen Angst und Sorge zu ersparen.

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